Digital vermittelter ÖPNV: garantiert mobil! Im Odenwaldkreis - Digitales Bürgernetz

On-Demand-Verkehr, digital vermittelt: garantiert mobil! im Odenwaldkreis

#Mobilität 10. Mai 2022

Der Bus kommt – oder eine andere Mitfahroption. Das Angebot “garantiert mobil!” stellt sicher, dass Bürgerinnen und Bürger auch ohne Auto mobil sind.  © Odenwaldmobil

„Wir wollen nicht, dass die kleinen Orte hier im Odenwaldkreis ausbluten“, sagt Stefan Reinhardt. „Mobilität ist Daseinsvorsorge. Das war unser Antrieb, als wir vor fünf Jahren mit garantiert mobil! starteten.“ Das vor allem online und per App abrufbare Angebot soll Bus und Bahn für mehr Menschen attraktiv machen. Von den Dörfern hin ins nächste Zentrum, von dort in die Kreisstadt Erbach und das angrenzende Michelstadt: Auf diesen festen Strecken bekommen Nutzerinnen und Nutzer von den frühen Morgenstunden bis in den späten Abend hinein auf dem Display immer eine garantierte Fahrtmöglichkeit angezeigt. Angebote vom Rufbus bis zum taxOMobil sind in die Software integriert – garantiert mobil! auch auf dem Land eben. Die Odenwald-Regionalgesellschaft, bei der Stefan Reinhardt als stellvertretender Leiter des Geschäftsbereichs Nahverkehr arbeitet, steigt damit in die digitale Welt der On-Demand-Mobilität ein.

ein Auto fährt über eine Landstraße. Im Hintergrund ist eine Scheune zu sehen.
Das taxOmobil unterwegs … © Odenwaldmobil

Der ÖPNV wird individueller

Gerade in kleinen Dörfern, wo der Weg zum nächsten Bäcker, zur Arztpraxis, zur Apotheke und zum Supermarkt weit ist, wollen und müssen Einwohnerinnen und Einwohner mobil sein. Dafür setzen viele aufs eigene Auto. Ein Bus morgens, einer abends – bei so einer Taktung ist der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) keine Alternative. Das gilt auch im Odenwaldkreis. Auf 1.000 Einwohner kamen hier zuletzt 644 Pkw (bundesweiter Durchschnitt: 580). „Der ÖPNV muss flexibler werden, wenn er mit dem Auto konkurrieren will. Das geht nur, wenn ich von starren Routen und Fahrzeiten wegkomme“, sagt Stefan Reinhardt. Bei garantiert mobil! funktioniert das über eine digitale Plattform, die den klassischen Fahrplan von Bus und Bahn um Rufbusangebote, das sogenannte taxOMobil sowie private Mitfahrten ergänzt und damit die Lücken im Nahverkehrsnetz schließt. Bürgerinnen und Bürger haben dadurch mehr Fahroptionen als anderswo im ländlichen Raum. Vor allem taxOMobil-Fahrten, angeboten von lokalen Taxi- und Mietwagenunternehmen, gewährleisten die Mobilitätsgarantie.

„garantiert mobil! ist deutschlandweit das erste und bisher einzige Angebot auf Kreisebene, das Öffentlichen Personennahverkehr und private und gewerbliche Mitfahrten in einer App bündelt.“

Stefan Reinhardt

Regionales Angebot nah am Bürger

Die Pandemie und ihre Folgen betreffen auch den ÖPNV in Deutschland: So vermeldete etwa der Rhein-Main-Verkehrsverbund, dass die Fahrgastnachfrage 2021 bei zwei Dritteln des Vor-Corona-Jahres 2019 lag. Pendlerinnen und Pendler bleiben im Homeoffice, andere haben Hemmungen, in vollbesetzte Bahnen und Busse zu steigen. Individuelle Mobilität hingegen boomt. Das flexible Angebot von garantiert mobil! könne im ländlichen Raum eine neue Perspektive für den ÖPNV aufzeigen, hofft Stefan Reinhardt. Optimistisch stimmt ihn auch die Resonanz auf einen Service zur Impfkampagne 2021, als mit Unterstützung der Kommunen der On-Demand-Verkehr auf das einzige Impfzentrum des Landkreises in Erbach zugeschnitten wurde. Gerade viele ältere Menschen haben damals über garantiert mobil! Fahrten mit dem taxOMobil gebucht. Sie nutzen das System jetzt weiter. „Das hat uns viel Anerkennung gebracht“, erinnert sich Reinhardt. Durch die regionale Verankerung sei man nahe an den Kundinnen und Kunden, wisse um deren Bedürfnisse. Dazu trägt auch ein mobiler Berater bei, der auf Seniorennachmittagen, Gemeindeveranstaltungen, Volksfeste und selbst bei Hausbesuchen geduldig erklärt, wie Angebot und App funktionieren. Gerade bei der Zielgruppe 50 plus kommt das gut an.

Hürden bei der Integration privater Fahrten

An anderer Stelle, auch darüber spricht Reinhardt offen, hapert es hingegen noch. Die Vermittlung privater Fahrten wird selten genutzt, bewegt sich aktuell im einstelligen Prozentbereich. Zwar hat man das Ganze rechtssicher gelöst und Fahrerinnen und Fahrer motiviert, ihre Angebote zu platzieren. Die Nachfrage sei allerdings schwach. Auch das könne eine Folge der Pandemie sein, sagt Reinhardt: Kaum jemand wolle zurzeit zu Fremden ins Auto steigen. Auch die sehr ländliche Struktur des Odenwalds sei eine Herausforderung. Bei vielen Dörfern mit 500 oder weniger Einwohnerinnen und Einwohnern sei es schwierig, jemanden zu finden, der zur richtigen Zeit genau die richtige Route fährt. Zumal diese auch noch im bestehenden Streckennetz liegen muss: Schließlich soll die App keine Konkurrenz zum klassischen Geschäft der Taxiunternehmen aufmachen. Damit die bereits registrierten Fahrerinnen und Fahrer motiviert bleiben, soll ihr Angebot nach einem in den kommenden Monaten geplanten Relaunch der App sichtbarer werden.

Alternative zum Auto aufzeigen

Auch wenn es hier und da noch Herausforderungen gibt, ist für die Macher hinter garantiert mobil! klar: Digital vermittelte On-Demand-Mobilität ist die Zukunft. Mittlerweile wurde die App rund 2.500 Mal heruntergeladen, die Hälfte der Nutzerinnen und Nutzer ist auch wirklich aktiv. Dazu kommen diejenigen, die online über die Website auf die Fahrtsuche zugreifen, diejenigen, die direkt in die MobilitätsZentrale in Michelstadt gehen, und diejenigen, die die telefonische Buchungsoption nutzen. „Natürlich sind die Nutzerzahlen ein wichtiges Kriterium, um den Erfolg zu messen“, sagt Stefan Reinhardt. „Es freut uns aber auch, wenn wir im Kleinen wachsen. Wenn zum Beispiel Schülerinnen und Schüler eine andere Mobilität kennenlernen als den Pkw, dann ist schon viel getan.“ Ein Wissenschaftlerteam, das vor einiger Zeit die Wirkung des Angebots untersucht hat, hat genau diesen Effekt bestätigt: „Es ist anzunehmen, dass garantiert mobil! als digitaler Dienst die Zugangsschwelle zu Rufbusangeboten vor allem für jüngere und mittlere Altersgruppen senkt und damit generell einen leichteren Zugang zum ÖPNV und eine bessere Integration von ÖV-Angeboten in die individuellen Mobilitätsgewohnheiten erleichtert“, so die Experten.

Eine Frau steht auf einem Bahnsteig, an dem die Odenwald-Bahn wartet.
Über die App kann die Nutzerin das gesamte Mobilitätsangebot einsehen und zugleich ihr Ticket buchen. © Odenwaldmobil

So funktioniert’s

Das Angebot gilt auf dem Streckennetz des ÖPNV im Odenwaldkreis. Der klassische Busfahrplan wird um Rufbus, private Mitfahrten und das taxOMobil ergänzt – so werden Angebotslücken geschlossen. Alle Verkehrsoptionen werden in der App userfreundlich nebeneinander aufgelistet. Fahrten können direkt gebucht werden, ein Handyticket wird in der App bereitgestellt. Die Fahrtpreise entsprechen den Tarifpreisen im Verkehrsverbund integriert. Das taxOMobil steht grundsätzlich immer zur Verfügung, der Fahrtwunsch muss allerdings mit mindestens 60 Minuten Vorlauf angemeldet werden. Außerdem wird für den individuellen Service des taxOmobils ein Zuschlag fällig, abhängig von der Zahl der Mitfahrenden. Mehr Informationen


Hier geht es zum Onlineportal von Odenwaldmobil

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