Wie KMU dank Digitalisierung Kosten sparen & Ressourcen schonen - Digitales Bürgernetz

Kosten sparen, Ressourcen schonen, Wissen sichern – dank Digitalisierung

#Arbeit 23. Mai 2022

Das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg unterstützt KMU und Handwerksbetriebe.

© Christoph Hoppenbrock/ www.bildbauer.de

Die Digitalisierung betrifft alle Branchen: die kleine Schreinerei auf dem Land genauso wie den mittelständischen Landmaschinenhändler oder das gemeinnützige Unternehmen. Viele stehen jedoch vor der Frage, wo sie anfangen sollen – und wie sie das Vorhaben ganz allein stemmen können. Unterstützung finden sie bei den Mittelstand-Digital Zentren, die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert werden. Bundesweit gibt es knapp 30 solcher Zentren. Sie sind miteinander vernetzt und tauschen sich aus. Eines davon ist das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg, das kleine und mittlere Unternehmen, KMU, sowie Handwerksbetriebe bei der Digitalisierung unterstützt, insbesondere auch in entlegenen Regionen auf dem Land. „In einem Betrieb mit fünf Beschäftigten, der mit Aufträgen schon sehr gut ausgelastet ist, kommt die Einführung einer neuen Technologie auf die eigentliche Arbeitszeit noch drauf. Für größere Unternehmen ist das in der Regel kein Problem. Sie können einen Beschäftigten oder mehrere Mitarbeiter dafür abstellen“, sagt der Leiter des Augsburger Zentrums, Andreas Johannes Estner. „Außerdem ist die Digitalisierung mit Kosten verbunden. Und das schreckt manche ab.“

Informieren, qualifizieren, umsetzen, vernetzen

Das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg ist im März 2022 gestartet und aus dem Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Augsburg hervorgegangen. Neben den Themen Digitale Strategien, Künstliche Intelligenz, Arbeit 4.0 und Finanzen 4.0 ist „Nachhaltigkeit und vernetzte Produktion und Logistik“ als neuer Schwerpunkt hinzugekommen. „Es geht darum, Energie zu sparen, möglichst wenig Ressourcen zu verschwenden und Produkte zu entwickeln, die langlebig sind oder recycelt werden können. Und es ist wichtig, die Beschäftigten eines Unternehmens zu qualifizieren und sie zu halten“, so Estner. Zum Angebot des Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg zählen Informationsveranstaltungen, Workshops, Onlinekurse, Lab-Touren durch Forschungsinstitute sowie Besuche in Unternehmen, die ihre digitalen Lösungen anderen vorstellen. Fachleute unterstützen die Betriebe bei einer Potenzialanalyse und entwickeln gemeinsam mit ihnen Ideen, um Prozesse effizienter zu gestalten oder Wissen, das bisher nur in den Köpfen der Beschäftigten vorhanden ist, in Datenbanken zu sichern. Die Expertinnen und Experten begleiten auch die ersten Schritte der Umsetzung – das kann durchaus Wochen oder Monate dauern. Außerdem ist ein Ausstellungsraum auf Rädern unterwegs: In dem speziell ausgebauten LKW werden zum Beispiel Werkzeuge für eine smarte Werkbank, ein intelligentes Lagermanagement oder Assistenzsysteme für die Produktion vorgestellt. Mit dem Mittelstand-Digital Mobil können auch entlegene Regionen in Bayern erreicht werden. „Informieren, qualifizieren, umsetzen und vernetzen, das sind unsere vier Säulen“, erzählt Andreas Johannes Estner. Unternehmen und Handwerksbetriebe können die Angebote kostenlos nutzen.

„Es geht darum, Energie zu sparen, möglichst wenig Ressourcen zu verschwenden und Produkte zu entwickeln, die langlebig sind oder recycelt werden können.“

Andreas Johannes Estner

Von der Tracking-App bis zum Funketikett

„Die Anfragen werden immer vielfältiger und kommen inzwischen aus vielen Branchen“, so der Leiter des Augsburger Zentrums. Unterstützt werden auch gemeinnützige Unternehmen wie die Tafel in München. Jede Woche liefert sie 125.000 Kilogramm Lebensmittel in Kisten aus. Doch viele Kisten gehen verloren und müssen neu beschafft werden. Das ist für den Verein ein erheblicher Kostenfaktor. Gemeinsam mit der Tafel wurde nach einer Lösung gesucht. Zuerst wurden Transponder an die Kisten angebracht, um zu erfassen, welche rausgehen und welche wieder zurückkommen. „Doch dieses System hat sich nicht bewährt, weil es zu teuer ist. Als Alternative haben wir vorgeschlagen, eine Tracking-App zu nutzen. Darüber tragen die Fahrerinnen und Fahrer ein, an welchem Ort sie wie viele Kisten verladen und wo sie diese danach hingebracht haben“, erzählt Estner. Ein anderes Unternehmen wurde dabei unterstützt, einen Online-Shop aufzubauen, um Kunststoffbecher für Kinder zu verkaufen. Die Auszubildenden des Unternehmens hatten zuvor die Idee gehabt, solche Becher für Kitas, Schulen und Vereine herzustellen und sie zu individualisieren, indem mit einem Laser auf jeden Becher der Name und ein Motiv aufgedruckt wird. Für einen Handwerksbetrieb wurden außerdem Funketiketten für einzelne Werkzeuge entwickelt. Denn das Problem war, dass die Monteure häufig erst auf der Baustelle feststellten, wenn ein bestimmtes Teil fehlte. Empfohlen wurde daher, den Fuhrpark mit einer Technologie zur automatischen Identifikation der Werkzeuge auszustatten. So meldet das Auto dann vor der Abfahrt zum Beispiel: „Das Presswerkzeug fehlt.“        

n und um einen ausgebauten weißen Truck haben sich viele Menschen versammelt.
Das Mittelstand-Digital Mobil tourt auch durch ländliche Regionen. © Christoph Hoppenbrock/ www.bildbauer.de

Fünf Partner gehören zum Projekt

Das Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg hat Partner in Nürnberg, Regensburg, München und Augsburg. „Wir sind kein Unternehmen, sondern ein Projekt, das drei Jahre lang vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit etwa fünf Millionen Euro gefördert wird“, sagt Andreas Johannes Estner. Partner sind der VDMA Bayern, die Technische Universität München mit zwei Lehrstühlen, das Fraunhofer IGCV in Augsburg und das Fraunhofer IIS in Nürnberg, die fortiss GmbH in München und die ibi research an der Universität Regensburg GmbH. Sie stellen jeweils ihre Expertise zur Verfügung.  


Hier finden Sie weitere Informationen zum Mittelstand-Digital Zentrum Augsburg

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