CoworkationALPS bietet Coworking und Erholung - Digitales Bürgernetz

Vom Meeting zum Gipfeltreffen: CoworkationALPS

#Arbeit 2. Juni 2022

Remote-Arbeit muss nicht am heimischen Schreibtisch stattfinden. © Mesnerhof-C

Viele Städter träumen von der Flucht ins Grüne, doch der Jahresurlaub ist endlich. Wie wäre es also, mal von einem Bauernhof aus zu arbeiten? Hier kommt CoworkationALPS e. V. ins Spiel: Das Netzwerk bündelt Gastgeber im Alpenraum, die Urlaub mit Coworking verbinden. Für unsere Reihe über besondere Coworking-Orte abseits der Metropolen sprechen wir mit Veronika Engel, Vorstandsvorsitzende des Vereins. 

 

Frau Engel, CoworkationALPS verbindet Coworking mit Urlaub. An wen richten Sie sich mit dem Konzept?

Zum einen an bestehende Teams oder Firmen. Sie reisen meistens gemeinsam an und verbringen ein oder zwei Wochen vor Ort. Zum anderen an Alleinreisende, die unabhängig zu einer Coworkation zusammenkommen und sich dort erst kennenlernen. Anstatt auf dem Zimmer mit WLAN zu arbeiten, entscheiden sie sich bewusst für den Anschluss an die Gemeinschaft im professionell ausgestatteten Coworking-Space – entweder direkt im Hotel oder ganz in der Nähe. So können sie sich austauschen, auf neue Ideen kommen und Synergien nutzen. 

 

Das ist also der „Work“-Anteil. Und wie sieht es mit „Vacation“ aus?

Auch der Freizeitaspekt kommt nicht zu kurz. Dafür sorgen schon allein die Alpen mit ihrer Naturkulisse. Außerdem werden gemeinsame Aktivitäten wie Sport, Wanderungen, Gasthofbesuche oder Koch-Events organisiert. Je nach den Wünschen und Bedürfnissen der Gruppe können diese Veranstaltungen eher gelegentlich stattfinden oder voll durchgetaktet sein, sodass es schon morgens um 7 Uhr mit Yoga losgeht. Wenn alles optimal läuft, sind die Grenzen zwischen Arbeit und Urlaub so fließend, dass man sie gar nicht mehr wahrnimmt.

Auf dem Tisch vor einer Holzhütte steht ein Laptop. Im Hintergrund weiden Kühe.
Coworkation verbindet Coworking und Urlaub – hier in idyllischer Alpenkulisse. © CoworkationALPS

Wie kostspielig ist diese Form des Reisens?

Das hält sich eigentlich im Rahmen. Die teilnehmenden Hotels berechnen für Ihr Coworking-Angebot für gewöhnlich keinen Aufschlag. Sie sehen es eher als Möglichkeit, ihre Betriebe zu bestimmten Zeiten besser auszulasten und Gäste zu einem längeren Aufenthalt zu motivieren. Wird dagegen ein externer Coworking-Space genutzt, entstehen zusätzliche Kosten zwischen ca. 15 und 40 Euro pro Tag. Die reduzieren sich oft aber noch, weil manche Unterkünfte auch Kooperationsvereinbarungen geschlossen haben.

„Durch Corona ist Remote-Arbeit zur neuen Normalität geworden. So manche Geschäfts- und Personalführung hat bemerkt, dass die Arbeitsleistung bei mehr Freiheit sehr oft nicht schlechter, sondern besser wird.“

Veronika Engel

Welche Branchen oder Berufstypen locken Sie mit Ihrem Angebot an?

Das hat sich sehr diversifiziert. Vor der Pandemie waren es hauptsächlich Gruppen, Freelancerinnen oder Selbstständige aus kreativen Berufen. Mittlerweile fühlen sich auch Angestellte, Anwältinnen oder Projektmanager angezogen.

 

Ziehen auch deren Arbeitgeber mit?

In zunehmendem Maße. Aus Arbeitgebersicht kann es das überzeugende Argument sein, um gute Leute zu bekommen oder zu halten. Durch Corona ist Remote-Arbeit zur neuen Normalität geworden. Ebenso Wünsche wie: ‚Einmal im Jahr möchte ich vom Bauernhof in Osttirol aus arbeiten‘. So manche Geschäfts- und Personalführung hat bemerkt, dass die Arbeitsleistung bei mehr Freiheit sehr oft nicht schlechter, sondern besser wird. Was noch nicht immer ganz klar ist, sind Fragen wie: Wer zahlt was? Wie ist das arbeitsrechtlich geregelt? Wie viel Urlaub muss man gegebenenfalls einreichen? Aber da kann man sich einigen.

 

Was macht CoworkationALPS einzigartig – außer der Bergwelt?

Vielleicht, dass wir uns vom klassischen Hotel- und Tourismusdenken lösen. Ich komme selbst aus der Regionalentwicklung und wir schauen schon aufs große Ganze. Uns ist wichtig, dass ländliche Regionen von unseren Konzepten nachhaltig profitieren und ihr Image verbessern können. So möchten wir auch kleinen Gemeinden, die von Abwanderung betroffen sind, neue Impulse geben. Mit anderen Worten: langfristig bessere Lebensqualität statt kurzfristig höherer Übernachtungszahlen. Das zeigt sich auch bei der Auswahl unserer Locations. Es sind authentische und liebevolle Orte mit eigener Persönlichkeit.

 

Wie finanziert sich der Verein?

Über die Mitgliedsbeiträge der Hosts und Regionen und über Beratungs- und Informationsangebote bzw. Workshops, demnächst auch über die Zertifizierung mit einem speziellen Gütesiegel der CoworkationALPS. Zudem gibt es eine befristete Förderung durch die EU für „Neue Arbeitsformen im ländlichen Raum“, die wir über die regionale Wirtschaftsförderung bekommen haben.

 

Was gefällt Ihnen an Ihrer Arbeit am meisten?

Am schönsten ist es, Projekte zu begleiten und zu sehen, wie sie wachsen. Von der ersten Idee mit Fotos von einem alten Hof über die Besichtigung und Baustelle bis hin zur Eröffnung. Und am Ende stehen zufriedene Gäste aus den coolsten Unternehmen der Welt. Das ist immer wieder eine tolle und spannende Entwicklung.

In einem großzügigen Innenraum mit unverputzten Wänden sitzen Menschengruppen an Tischen zusammen und unterhalten sich. Die Sonne scheint durch die Tür.
Manche Gruppen reisen zusammen an, andere lernen sich erst durchs Coworking kennen. © CoworkationALPS

Wo liegen eventuelle Schwierigkeiten?

Sagen wir mal so: Alteingesessenen Bürgermeistern Konzepte zum Thema Coworkation erstens verständlich zu machen und sie zweitens auch noch dafür zu begeistern, ist nicht gerade die leichteste Aufgabe. Je niedriger der Handlungsdruck ist, desto weniger sind Regionen, Gemeinden und Tourismusverbände in der Regel dazu bereit, etwas zu ändern.

 

Was ist Ihr wichtigster Tipp für andere, die ein Coworkation-Konzept umsetzen wollen?

Sie sollten sich aktiv mit den Themen Community und Neues Arbeiten auseinandersetzen und diese Prinzipien auch selbst vorleben. Und man sollte flexibel sein bei den Konzepten, also sich zum Beispiel nicht zu sehr auf einen Plan A versteifen, ohne einen Plan B, C, und D in der Tasche zu haben.

 

Welchen Gipfel möchten Sie mit CoworkationALPS als nächstes erklimmen? 

Konkret steht die Einführung des erwähnten Gütesiegels an. Damit folgen wir unserer Vision, den großen Hotelketten und Reiseanbietern, die einfach nur auf den Trend Workation aufspringen, etwas Eigenes und Authentisches entgegenzusetzen. Die große Nachfrage, die wir täglich erleben, bestätigt uns in diesem Weg.

 

Über CoworkationALPS

CoworkationALPS e.V. ist ein 2019 gegründeter eingetragener Verein mit Sitz in Miesbach, südlich von München gelegen. Das stetig wachsende Netzwerk versammelt Hosts aus Deutschland, Österreich und Italien, die Locations für eine Kombination aus Erholungsurlaub und Coworking anbieten. Mehr erfahren

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