Wie nachhaltige Stadtplanung digital funktioniert - Digitales Bürgernetz

Plan4Better: Erreichbarkeit macht mobil

#Mobilität 15. November 2021

Das Gründungsteam von Plan4Better: Ulrike Jehle, Geschäftsführerin, Elias Pajares, Geschäftsführer, und der Technische Direktor Majk Shkurti (von links) © Plan4Better

Was bedeutet es für die Bevölkerung vor Ort, wenn die Dorfapotheke schließt? Wo sollte am besten eine neue Bike-Sharing-Station eröffnet werden? Solche und ähnliche Fragen löst das Münchner Startup Plan4Better mit seinem digitalen Planungstool GOAT (= GEO Open Accessibility Tool), das die Stadt- und Verkehrsplanung erleichtert. Durch Heatmaps oder mit Hilfe von Linien, sogenannten Isochronen, visualisiert das Open-Source-Webtool, wie schnell ein bestimmter Punkt zu Fuß, mit dem Fahrrad oder per Rollstuhl erreichbar ist. Dabei ist nicht nur der Ist-Zustand maßgeblich. GOAT kann auch simulieren, wie sich eine Veränderung in der Infrastruktur, etwa der Bau einer neuen Fußgängerbrücke, auf die Erreichbarkeit auswirken würde – und zwar schneller und günstiger als bisherige Anwendungen. So lassen sich Planungsfehler vermeiden und Kosten optimieren. Und natürlich profitieren auch Umwelt und Klima davon, wenn Menschen durch ein gutes Angebot in Wohnnähe dazu animiert werden können, ihr Auto öfter zu Hause zu lassen.

„Immer mehr kleine, lokale Läden schließen. Dies führt zu weiten Wegen, einer verstärkten Auto-Abhängigkeit und somit Exklusion von vielen Menschen.“

Ulrike Jehle

Ein ausgezeichneter neuer Ansatz

Für seine Verdienste um eine nachhaltige Entwicklungsplanung wurde Plan4Better bereits mit dem Innovationspreis der Stadt München, sowie Ende Oktober 2021 mit dem Smart Country Startup Award (Kategorie „Smart City“) ausgezeichnet. Bei der Preisverleihung im Rahmen der Smart Country Convention sagte Niklas Veltkamp, Mitglied der Geschäftsleitung des Digitalverbands Bitkom: „Städte und Gemeinden müssen in Zukunft verstärkt auf digitale Technologien zurückgreifen. Der Smart Country Startup Award hat gezeigt, dass Startups in Deutschland dabei einen wichtigen Beitrag leisten können – mit Lösungen, die gleichermaßen auf technologische Innovationen setzen und bereits heute im Alltag nutzbar sind.“ Ebendieser praktische Nutzen macht die Plan4Better-Lösung GOAT für viele Anwendungen interessant. Davon kann man sich auf www.plan4better.de auch selbst überzeugen: Dort stehen Live-Demoversionen verschiedener deutscher und internationaler Städte zur Auswahl.

Zwei Kartendarstellungen zeigen verschieden eingefärbte Gebiete
Die Heatmap zeigt links den Ausgangszustand, rechts das Szenario mit zwei neuen Kitas. Zahlreiche Einwohner würden davon durch kürzere Wege profitieren. © Plan4Better

Bedeutung für den ländlichen Raum

Es sind aber nicht nur die Großstädte, die von den Einsatzmöglichkeiten profitieren. Gerade für kleinere Orte ist es im Zusammenhang mit der Daseinsvorsorge wichtig zu wissen, was sich durch Schließungen oder Neueröffnungen an konkreten Standorten für die Einwohnerinnen und Einwohner verändert. Kommt eine GOAT-Analyse etwa zu dem Ergebnis, dass es gravierende Folgen für die Menschen vor Ort hätte, wenn eine Einrichtung oder eine Filiale vor Ort geschlossen würde, dann lässt sich damit ein Protest fundiert begründen – und so vielleicht der Erhalt durchzusetzen. Auch kann GOAT Daten liefern, um den idealen Standort für zum Beispiel einen neuen Supermarkt herauszufinden, den möglichst viele Menschen innerhalb kurzer Zeit erreichen können.

Screenshot der Benutzeroberfläche der Software mit einer Kartendarstellung und verschiedenen Reglern und Einstellungsmöglichkeiten
So sieht die Software aus: GOAT-Szenario zu neuem Bäcker. Die Isochronen (Linien) zeigen den Einzugsbereich – einmal mit fünf, einmal mit zehn Wegminuten zu Fuß, © Plan4Better

Ausblick: bewegte Zukunft

Bei Plan4Better gehen die Pläne bereits weiter Richtung Zukunft. So sollen in das Webtool künftig auch zusätzliche nachhaltige Fortbewegungsmittel wie der Öffentliche Personennahverkehr sowie Mischformen (etwa die Kombi aus Rad und Bahn) integriert werden. Für die Erreichbarkeitsanalysen wird nicht nur entscheidend sein, ob ein ÖPNV-Angebot existiert, sondern auch, wie attraktiv es ist, beispielsweise hinsichtlich Taktfrequenz oder Umsteigezeiten. Kürzlich startete das Startup zudem ein dreijähriges Forschungsprojekt: „In Zusammenarbeit mit Partnern aus Wissenschaft und Forschung sowie zahlreichen Städten und Regionen in Deutschland werden wir in einem co-kreativen Prozess eine Palette an neuen Features entwickeln“, so Ulrike Jehle, Geschäftsführerin von Plan4Better. „Eines davon ist ein “dynamischer Daseinsvorsorgerechner”, mit dem wir insbesondere den ländlichen Raum in der smarten Planung unterstützen wollen.“

Zu Erprobung der Features werden interessierte Gemeinden und Landkreise für Pilotstudien gesucht. Sie können unter dieser E-Mail-Adresse Kontakt aufnehmen: info@plan4better.de

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