Digitalisierung in der Medizin: E-Rezept - Digitales Bürgernetz

E-Rezept: So will die Anwendung den Alltag erleichtern

#Gesundheit 12. März 2024

Das e-Rezept ist seit 1.1.2024 Pflicht für alle gesetzlich Versicherten. ©iStock

Seit Januar 2024 ist die Ausstellung von E-Rezepten für gesetzlich Versicherte Pflicht – das digitale Verfahren gab es allerdings bereits zuvor. Doch erst mit der gesetzlich verordneten Umstellung ist die Zahl der ausgestellten E-Rezepte in die Höhe geschossen: Allein im ersten Monat des Jahres wurden 36 Millionen E-Rezepte eingelöst. Der Graph auf dem mit aktuellen Daten gefütterten Dashboard der Gematik zeigt steil nach oben.

Der gesetzlichen Pflicht zum E-Rezept waren lange Testzeiten vorangegangen. Das System war auch bereits seit Monaten zugänglich. In einem Interview im ZDF-Morgenmagazin Anfang Januar zeigte sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach zuversichtlich, was die technische Umsetzung angeht: „Es wird ein paar Wochen dauern, bis sich das zurechtgeruckelt hat, aber die ganze Technik steht ja. Wir haben das jetzt millionenfach eingesetzt und es funktioniert.“

Mann zeigt Frau in weißem Kittel in einer Apotheke sein Smartphone.
In der Apotheke kann das e-Rezept ganz einfach über die App oder auch die elektronische Gesundheitskarte eingelöst werden. ©gettyimages

Neuer Standard der Medikamentenverschreibung

Das E-Rezept ist Teil der Telematikinfrastuktur, für die in Deutschland die Nationale Agentur für Digitale Medizin gematik verantwortlich ist. Sie schafft die Rahmenbedingungen für Anwendungen wie die digitale Patientenakte ePA, die Notfalldatenspeicherung auf der Gesundheitskarte oder den Standard KIM, mit dem Befunde und Arztbriefe zwischen Diagnoseeinrichtungen und Arztpraxen sicher versendet werden können.

Auch das E-Rezept ist ein Standard, der jetzt für gesetzlich Versicherte verpflichtend geworden ist. Privatversicherte können den Service nutzen, wenn ihre Krankenkasse sie mit einer Gesundheits-ID und einem Online-Check-in versorgt.

Das neue E-Rezept wird nicht mehr auf einem Rezeptvordruck erstellt und unterschrieben, sondern liegt digital vor. Die Patientinnen und Patienten lösen die Verschreibung in der Regel mit ihrer elektronischen Gesundheitskarte in der Apotheke ein – das ist nach Angaben der gematik die gängigste Methode. Es ist jedoch auch möglich, sich in der Praxis das E-Rezept ausdrucken zu lassen: Die Apotheke scannt dann den darauf befindlichen QR-Code. Digital am fortschrittlichsten ist die E-Rezept-App, die sich Patientinnen und Patienten auf das Smartphone laden können.

Mehr Möglichkeiten durch mehr Digitalisierung

Die drei Wege, mit den neuen E-Rezept an die Medikamente zu kommen, sind nicht gleichwertig. Denn mit dem Grad der Digitalisierung – vom Ausdruck mit QR-Code über die elektronische Gesundheitskarte bis zur App – steigt auch die Zahl der Möglichkeiten. Während beim Ausdruck immerhin noch die Daten sicher in der Telematikinfrastruktur gespeichert sind und kaum noch Fehler beim Lesen auftreten sollten, sparen Nutzer:innen der Gesundheitskarte Papier und können Folgeverschreibungen erhalten, ohne in die Praxis zu kommen. Die App schließlich macht weitere Features zugänglich: bei der Apotheke direkt online zu bestellen, die Rezepte von Angehörigen zu verwalten und die Rezepte der vergangenen 100 Tage einzusehen.

In einem Interview mit der Zeitung Apotheken Umschau im November vergangenen Jahres betonte Dr. Markus Leyck Dieken, bis Ende 2023 Geschäftsführer der gematik: „Bereits jetzt wird das E-Rezept am häufigsten mit der elektronischen Gesundheitskarte eingelöst. Danach folgt der Ausdruck. Die App ist noch schwer zugänglich.“ Das könnte sich bald ändern: Rund eine Million Nutzer:innen haben die E-Rezept-App in den ersten Wochen des Jahres 2024 heruntergeladen und bestätigen damit vielleicht eine Vermutung des ehemaligen gematik-Geschäftsführers: „Die meisten Bürger wissen, dass sie von einem besseren digitalen Gesundheitswesen profitieren können: Ein E-Rezept zu Hause zu empfangen, ohne in die Arztpraxis zu gehen, ist bequem. Mithilfe der elektronischen Patientenakte können Ärzte und Apotheker Wechselwirkungen von Medikamenten einfach feststellen. Und die Gemeinschaft kann von den Daten ebenfalls profitieren. Ich glaube, viele spüren inzwischen, dass ihnen durch die mangelnde Digitalisierung einiges entgeht.“

Organisationen wie der Digitalverband Bitkom jedenfalls begrüßen, dass es mit E-Rezept und digitaler Patientenakte in Deutschland vorangeht. Deren Hauptgeschäftsführer Dr. Bernhard Rohleder dazu: „Ein digitalisiertes Gesundheitssystem macht die Menschen informierter, souveräner und versetzt sie in die Lage, sich besser um ihre eigene Gesundheit zu kümmern. Wichtig ist jetzt, dass auch Praxen und Kliniken den Hebel auf digital umlegen.“

Telematikinfrastruktur TI

Mit diesem Begriff bezeichnet die Nationale Agentur für Digitale Medizin gematik ihre Plattform für Gesundheitsanwendungen. Sie baut eine zeitgemäße Infrastruktur auf, betreibt sie und entwickelt sie weiter – immer im engen Austausch mit Praxen, Apotheken und Patient:innen, die darüber Gesundheitsdaten standardisiert und strukturiert austauschen können.

Bekannte Anwendungen sind das E-Rezept und die digitale Patientenakte ePA, die die Kommunikation im Gesundheitssystem vereinfachen soll. Ihre Digitalisierungsaufträge erhält die gematik vom Bundestag.

https://www.gematik.de/

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