Digitaler Musikschulunterricht: Das Projekt MoMu.SH - Digitales Bürgernetz

MSdigital.Schleswig-Holstein: Der Klang der Digitalisierung

#Bildung 29. März 2022

Alle 22 Musikschulen in Schleswig-Holstein haben sich an den Digitalisierungsprojekten beteiligt. © Landesverband der Musikschulen in Schleswig-Holstein / Marcus Dewanger

Kopierte Notenblätter und angestaubte Metronome könnten in Musikschulen bald der Vergangenheit angehören – zumindest, wenn es nach den Verantwortlichen von MoMu.SH (kurz für Mobiler Musikschulunterricht in Schleswig-Holstein) geht. Das Projekt wurde 2018 von Dr. Rhea Richter, der Geschäftsführerin des Landesverbandes der Musikschulen in Schleswig-Holstein (LVdMSH), ins Leben gerufen. Ziel war es, den Musikschulunterricht erstens moderner und digitaler zu gestalten. Zweitens soll es Menschen in Schleswig-Holstein, unabhängig von ihrem Wohnort, Zugang zu Musikschulunterricht ermöglichen.

Im Praxischeck: Apps und Programme

In der ersten Phase des Projektes stattete der LVdMSH Musikschullehrkräfte mit Tablets aus. Sie testeten Apps und Programme, mit denen Noten digital dargestellt oder Instrumente gestimmt werden können sowie spielerische Programme, die helfen, Noten zu lernen oder die Quizfragen zu Musiktheorie stellen. Vor allem wurden sie aber dazu befähigt, kompetent mit digitalen Technologien im Vokal- und Instrumentalunterricht umzugehen. Und sie haben gelernt, wie sie ihre Kolleginnen und Kollegen dabei unterstützen, digitale Technologien in den Unterricht zu integrieren – und wie sie Wissen zum technologievermittelten Unterricht gemeinsam in einer (Online-)Community weiterentwickeln.

„Jeder hat ein Smartphone oder ein Tablet – dieses Gerät aber für die Musik zu benutzen, ist ein neuer Ansatz und reizt vielleicht, zur Musikschule zu gehen.“

Julia Röber

Gut vorbereitet auf den Online-Unterricht

MoMu.SH lief 2019 aus. Auf Basis der Projektergebnisse startete die Planung für das Digital-Vorhaben MSdigital.SH. In dessen Rahmen wurden die Musikschulen unterstützt, digitale Infrastrukturen aufzubauen und ein Wissensnetzwerk zum Thema digitale Musikschule geknüpft. Auf einer Plattform tauschten sich seither die Muiskpädagoginnen und -pädagogen aus dem Musikschulverband in SH aus, geben einander Tipps für gute Mikros und Boxen, aber auch zur allgemeinen Umsetzung des digitalen Unterrichts. Dann kam die Pandemie. „Dadurch, dass unsere Lehrkräfte schon viel mit den Tablets gearbeitet haben, konnten die Musikschulen relativ einfach in den Online-Unterricht starten“, sagt Julia Röber, Projektkoordinatorin des Landesverbands der Musikschulen.

Digitale Infrastruktur schaffen

„Durch Corona wurde Digitalisierung immer wichtiger und es gab neue finanzielle Mittel, deswegen ist unser zweites Projekt gestartet – MSdigital.Schleswig-Holstein, also MoMu.SH 2.0“, so Röber. MoMu.SH kümmerte sich nicht nur um die Ausstattung der Musikschulen mit Tablets, zum Teil brauchte es überhaupt erstmal einen Internetzugang: „Unsere Musikschulen verfügen über mehrere Unterrichtsstandorte, die teilweise kein WLAN anbieten oder an denen vorhandene Strukturen aus Datenschutzgründen nicht genutzt werden können“, sagt Röber. Für den Online-Unterricht brauchten die Lehrkräfte häufig auch eine zusätzliche Kamera, um den Schülerinnen und Schülern zu Hause zum Beispiel den Blick auf die Hände beim Klavierspiel zu ermöglichen.

Fachkräfte an den Musikschulen ausbilden

Ein wichtiger Teil der digitalen Transformation im Schleswig-Holsteinischen Musikschulverband sind Fort- und Weiterbildungen. Jede der 22 öffentlichen Musikschulen oder Mitgliedsmusikschulen des LVdMSH bekam einen Weiterbildungsplatz und konnte eine Musikschullehrkraft auswählen, die dann zur Mentorin oder zum Mentor ausgebildet wurde und das Wissen in ihre bzw. seine Musikschule trug. Die Resonanz war riesig: Alle Musikschulen wollten laut Röber unbedingt dabei sein – und konnten in der Folge ihr Angebot erweitern. Das Projekt hat wichtige digitale Transformationsprozesse an den Musikschulen angeregt. Viele bieten nun zum Beispiel Kurse in digitaler Musikproduktion an. Hier wird das Tablet als Musikinstrument genutzt. Mittlerweile streamen die Schulen ihre Sommer- und Winterkonzerte auf Youtube und erreichen so ebenfalls mehr Menschen. „Die Digitalisierung ermöglicht einen anderen Weg, zur Musik zu kommen“, sagt Julia Röber. „Jeder hat ein Smartphone oder ein Tablet – dieses Gerät aber für die Musik zu benutzen, ist ein neuer Ansatz und reizt vielleicht, zur Musikschule zu gehen.“

Stärken und Schwächen des Online-Angebots

„Durch die Online-Angebote ist es einfacher, im ländlichen Raum Kinder und Jugendliche zu erreichen. Da fallen keine Fahrtwege an. Das einzige Problem dabei ist, dass diese persönliche Komponente fehlt“, sagt Projektkoordinatorin Julia Röber. „Beim Musikschulunterricht ist es wichtig, dass man vor Ort ins Gespräch kommt, dass vielleicht an der Gitarre die Griffe gezeigt werden, es geht Tonqualität verloren.“ Langfristig sind hier Kombi-Angebote aus analogem und digitalem Unterricht denkbar. Offiziell ist MSdigital.SH im vergangenen Herbst ausgelaufen. Das digitale Wissensnetzwerk der Musikschulen besteht jedoch weiter und die Lehrkräfte sind immer noch im regen Austausch miteinander. Es hat sich gezeigt, dass ein großer Bedarf zum weiteren Austausch besteht – und so ist das dritte Digitalisierungsprojekt bereits in Planung und soll bald starten.

Weitere Informationen zu MoMu.SH gibt es hier

Über die Projekte

Das erste Projekt, MoMu.SH, wurde unter anderem vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft im Rahmen der Richtlinie „LandKULTUR – kulturelle Aktivitäten und Teilhabe in ländlichen Räumen“ gefördert und lief von 2018 bis 2019.

Das zweite Projekt, MoMu.SH 2.0, wurde von der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek gefördert und in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle Appmusik der Universität der Künste Berlin entwickelt. Es lief im Zeitraum 2020 bis 2021.

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