Femmespace Bamberg: Community von Frauen für Frauen - Digitales Bürgernetz

Gründerin Sarah Seewald: „Ein Miteinander ist stärker als jedes Konkurrenzdenken“

#Arbeit 16. August 2022

Ein Netzwerk für Frauen: Sarah Seewald hat den Femmespace in Bamberg 2019 gegründet. © Lisa Doneff

Frau Seewald, mit dem Femmespace bieten Sie Frauen aus Bamberg und Umgebung einen Arbeitsplatz und eine digitale Plattform, um sich zu vernetzen. Warum braucht es ein Coworking Space speziell für Frauen?

Ich möchte, dass Frauen erkennen, dass ein Miteinander stärker ist als jedes Konkurrenzdenken. Es ist eine ganz andere Ruhe da, wenn nur Frauen zusammenkommen um zu arbeiten – ich habe das selbst während eines Seminarwochenendes erlebt, an dem nur Frauen teilnahmen. Der kreative Austausch und die Atmosphäre waren so angenehm und wertschätzend, die Erfahrung insgesamt so toll, dass daraus die Idee entstanden ist, Frauen in meiner Region die Chance zu eröffnen, in solch einem „Safe Space“ an Ideen und Projekten zu arbeiten. Im Frühjahr 2019 hatte ich die Idee – und im November 2019 haben wir den Femmespace mitten in Bamberg eröffnet.

„Frauen brauchen andere spannende Frauen, die ihnen Wege zeigen, die sie inspirieren und anfeuern.“

Sarah Seewald

Wie funktioniert der Femmespace?

Unsere Räume sind ein Ort für Kreative, für Unternehmerinnen und Freiberufler, für Mamas und für Homeoffice-Müde. Wir haben drei Räume, eine Küche und einen Innenhof, alles auf 120 Quadratmetern. Es gibt einen großen Raum für gut 30 Leute, wo die Konferenzen, Lesungen, Seminare oder Events stattfinden. Ein weiterer Raum war lange ein Nähzimmer und Showroom für eine Nutzerin. Weil die Nachfrage und Begeisterung für die Produkte so groß war, konnte im Mai 2022 der „elevantine store empowered by Femmespace“ in der Bamberger Innenstadt eröffnet werden. In einem weiteren Bereich stehen vier Tische. Wir bieten Cleandesks: Wir stellen also WLAN und Drucker, aber Bildschirme und weiteres Equipment bringen die Kundinnen selbst mit. Außerdem können die Frauen beim monatlichen Stammtisch netzwerken. Einmal die Woche treffen sich die Mitglieder digital zur Morgenroutine.

In einem hellen Raum mit Holzboden und weißen Wänden steht ein Schreibtisch mit Laptop darauf.
Blick in die Räumlichkeiten des Femmespace. © Sarah Seewald

Welche Frauen sprechen Sie mit Ihrem Femmespace an?

Um ein Teil von Femmespace zu sein, gibt es keine Voraussetzungen. Ob selbstständig, angestellt, mit oder ohne Kinder – unser gemeinsamer Nenner ist nicht die eine Überschneidung im Lebenslauf, im Arbeitsalltag oder im Familienbuch. Uns verbinden Werte: Kommunikation auf Augenhöhe, Wertschätzung füreinander und Nachhaltigkeit für all unsere Ressourcen. Wir wollen ein Ort sein, an dem sich Frauen frei entfalten können. Hier muss man sich nicht behaupten. Stattdessen bieten wir einen geschützten Rahmen. Jede Nutzerin kann ihrer Idee nachgehen, egal, ob sie noch in der Findung ist oder bereits eine erfolgreiche Unternehmensberatung aufgezogen hat. Zu uns kommen Frauen aus allen Bereichen. Das kann eine Coachin sein, eine Webdesignerin oder eine, die einfach mal ein paar Stunden am Wochenende in Ruhe über ihre Businessidee nachdenken oder ungestört kreativ sein will. Auch die Altersstruktur ist gemischt – ein buntes Potpourri aus Frauen zwischen 25 und 45 Jahren.

Gerade abseits der großen Städte kann es schwer sein, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen. Wie können Sie Frauen dabei unterstützen, eine kreative Idee umzusetzen?

Frauen brauchen andere spannende Frauen, die ihnen Wege zeigen, die sie inspirieren und anfeuern. Durch einen Ort wie unseren Coworking Space in Bamberg oder die digitale Femmespace-Community finden Frauen ein wertschätzendes Umfeld sowie Gleichgesinnte und Mitstreiterinnen. Sie kommen raus aus dem Homeoffice und den eigenen Gedanken. Bei uns wird jede Frau so akzeptiert, wie sie ist und wo sie steht. Ich habe es schon oft erlebt, dass es Frauen hilft, sich zu professionalisieren, wenn sie aus ihren eigenen vier Wänden rauskommen. Die beschreiben sich dann selbst zum Beispiel endlich als Künstlerin oder als Social-Media-Expertin und nicht nur als eine, die gern malt oder sich mit Instagram auskennt. Auch bei den virtuellen Stammtischen erlebe ich es immer wieder, dass die Frauen in dieser Runde einfach sie selbst sind, mit allen Stärken und Unsicherheiten. Da sagt eine zum Beispiel, dass sie sich nicht traut, mit ihrem Logo rauszugehen und bekommt von den anderen dann den nötigen Push.

Eine Hand hält ein Smartphone, auf dem der Femmespace-Onlineauftritt mit einer Kartenansicht zu sehen ist.
Mittlerweile ist der Femmespace auch zur digitalen Community angewachsen. © Lisa Doneff

War es schwer, die Frauen in und um Bamberg zu erreichen?

In ganz Oberfranken gibt es wahnsinnig viele Frauen, die erfolgreiche Webshops, Agenturen oder Coachings aufziehen oder eine Geschäftsidee im Kopf haben. Die damit gesehen werden und sich professionell vernetzen wollen – egal, wo sie leben, ob sie angestellt sind oder selbstständig. Alle eint, dass sie sich Austausch auf Augenhöhe und Wertschätzung wünschen. Für die bieten der Femmespace und unser digitales Dorf die Plattform, die ihnen gefehlt hat. Und die Nachfrage ist riesig. Ich bin fasziniert, wie gut es funktioniert und wie gut es angenommen wird.

Was meinen Sie konkret mit digitalem Dorf?

Inzwischen ist der Femmespace vom Coworking Space zu einer digitalen Community gewachsen, wo spannende Frauen und ihr Business Platz und Gehör finden. Seit Januar 2022 gibt es darum auch das Branchenverzeichnis. Hier kann jede sich und ihr Business vorstellen. Ich will so Frauen ermutigen, mit ihrer Geschäftsidee rauszugehen. Ob sie sich nun im Coworking Space einmieten oder als Mitglied unsere digitale Community nutzen – wir bringen sie zusammen, dank Digitalisierung auch außerhalb Oberfrankens.

Zur Person

Sarah Seewald arbeitet als freie Journalistin und dokumentarische Geburts- und Familienfotografin. 2019 gründete sie den FEM{ME}SPACE – ein Coworking Space in Bamberg und eine digitale Community für Frauen.

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