Für bessere medizinische Versorgung auf dem Land - Digitales Bürgernetz

Fünf Ideen: So kann Digitalisierung die medizinische Versorgung auf dem Land verbessern

#Gesundheit 29. September 2021

©Shutterstock

1. Digital-analoges Versorgungszentrum

Ein medizinisches Versorgungszentrum am Wohnort, insbesondere dort, wo die nächste (Fach)Arztpraxis schwer erreichbar ist. Hier empfängt eine medizinisch ausgebildeten Person Patientinnen, begleitet sie und unterstützt bei den Untersuchungen, die eine Hausärztin oder ein Facharzt per Video durchführt. Das soll in der Oberpfalz bald Realität werden. Mit Hilfe dieser Idee hat der Landkreis Neustadt/Waldnaab Anfang des Jahres Fördergelder in Höhe von rund einer Million Euro beim Bund akquiriert und gilt nun als „smarte“ Landregion.

 

Neustadt – NEW wird Modellregion für smartes Landleben

2. Ohne-Arzt-Praxis

Ähnlich funktioniert auch die Idee der beiden Gesundheitsökonomen Florian Burg (Informatiker) und Dr. Tobias Gantner (Arzt und Jurist), die die Reichweite von Hausärzten und Hausärztinnen im ländlichen Raum erweitern kann. Und zwar, indem in kleinen Orten ohne Hausarzt sogenannte Ohne-Arzt-Praxen eingerichtet werden, die digital an Hausarztpraxen in der Nähe angeschlossen sind. Diese Praxen werden von einer Pflegekraft betrieben und stehen allen Hausärzten in der Region zur Kooperation offen. Die Patientinnen und Patienten können so an ihrem Wohnort zu Untersuchungen erscheinen. Ein digitales Stethoskop und anderen Messgeräte geben der Hausärztin, der per Video aus ein paar Kilometern Entfernung zugeschaltet ist, einen Einblick in die grundlegenden Gesundheitsparameter. Durch diese Technik und die Unterstützung der Pflegekraft vor Ort ist wesentlich mehr Diagnostik möglich als über eine einfache Videokonferenz. Patientinnen und Patienten können dann mit dem Arzt sprechen, Ratschläge und Rezepte erhalten. Und wenn es notwendig ist, sind kurzfristig persönliche Besuche möglich. In ersten Modell-Projekten wurde die Ohne-Arzt-Praxis erprobt, zum Beispiel von 2019-2021 in Spiegelberg in Baden-Württemberg. Es stellte sich heraus, dass vor allem die ältere Bevölkerung noch Berührungsängste mit digitalen Geräten und Kontakten überwinden muss. Und in den Verwaltungen, Behörden und Verbänden dürften noch manche bürokratischen Hindernisse aus dem Weg geräumt werden müssen.

www.ohnearztpraxis.de

3. healthcaremakermobil

Was alles möglich ist, ersinnen, erproben und ertüfteln digitale Gesundheitspioniere, die sich im europäischen Netzwerk HealthCare Futurists zusammengeschlossen haben. Mit ihrem Healthcare Makermobil, einem umgebauten Transporter, reisen sie durch das Land. An Bord dieses Technologie-Abenteuerspielplatzes befinden sich 3-D-Drucker, Roboter, digitale Geräte zur Gesundheitsversorgung und jede Menge Entdecker- und Erfindergeist. Angetrieben von Sonnenenergie und klimaneutralem Methangas und von Fragen wie: „Was ist möglich? Was brauchen die Menschen? Und wie können wir die Technik dafür nutzen?“ reisen sie zu Organisationen und Menschen, die neue Wege gehen oder Produkte entwickeln haben und testen mit ihnen gemeinsam die Ideen. Auf diese Weise machen die HealthCare Futurists die digitale Transformation erfahrbar und bringen sie zu den Menschen.

www.healthcareMakermobil.com

4. Apotheke 2.0

Im Januar 2019 starteten der Apothekerverband Westfalen-Lippe, die Universität Osnabrück und die Gesundheitsregion Euregio e.V. das Projekt „Apotheke 2.0“. Ziel ist es, herauszufinden, wie die Apotheken, die für viele Menschen erste und häufige Kontaktstellen zu Gesundheitsfragen sind, ihrem Versorgungsanspruch gerecht werden und wie – gerade im ländlichen Raum – digitale Möglichkeiten dabei unterstützend eingesetzt werden können. Dabei wird zum Beispiel erforscht, wie Arzt, Apothekerin und Patient besser miteinander kommunizieren können, was bei der Versorgung und Betreuung vor Ort helfen kann und was die Patientinnen und Patienten vor Ort wirklich brauchen. Das Projekt läuft noch bis Ende 2021.

www.apotheke20.de

BMEL – Digitale Apotheke 2.0

5. Stadt.Land.Gesund

Der AOK-Bundesverband hat unter dem Motto Stadt.Land.Gesund über 100 Projekte und Initiativen zusammengetragen und vernetzt, die sich für eine gute Gesundheitsversorgung in ländlichen Regionen engagieren. „Die Projekte haben aus AOK-Sicht das Potenzial, Lücken in der ländlichen Gesundheitsversorgung zu schließen. Digitale Lösungen und Delegationsansätze sorgen dafür, dass bei der Behandlung räumliche Distanz überwunden wird und Patienten einen schnelleren Zugang zur Versorgung bekommen“, heißt es auf der Website. Eine Übersicht über die vielen inspirierenden Projekte gibt es unter:

AOK – Stadt Land Gesund

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